Optik · Lernblatt

Lichtbrechung und Reflexion

Vier Linsenformen, die Winkel α und β und die Rechnung dahinter — mit denselben Beispielen für Glas und Wasser.

Vier Linsen in der Seitenansicht

Die blauen Linien zeigen den Strahlengang. Die gestrichelten grauen Linien an den Glasflächen sind die örtlichen Lote. Die vorhandenen Vektorzeichnungen bleiben beim Vergrößern scharf.

Bikonvex: 2D-Seitenansicht mit Strahlen, gestrichelten Loten und Brennpunkt
Bikonvex. Die Linse ist in der Mitte dicker. Die eingezeichneten parallelen Strahlen werden zur Mittelachse hin gebündelt. Eintritt und Austritt sind getrennte Brechungsstellen.
Bikonkav: 2D-Seitenansicht mit Strahlen, gestrichelten Loten und Brennpunkt
Bikonkav. Die Linse ist in der Mitte dünner. Die Strahlen laufen auseinander. Ihre gestrichelten Rückverlängerungen treffen sich im virtuellen Brennpunkt.
Plankonvex: 2D-Seitenansicht mit Strahlen, gestrichelten Loten und Brennpunkt
Plankonvex. Eine Fläche ist eben, eine nach außen gewölbt. Die Strahlen treffen hier senkrecht auf die ebene Fläche: Dort ändert sich ihre Richtung nicht. Erst am gekrümmten Austritt werden sie abgelenkt.
Plankonkav: 2D-Seitenansicht mit Strahlen, gestrichelten Loten und Brennpunkt
Plankonkav. Eine Fläche ist eben, eine nach innen gewölbt. Bei diesem senkrechten Eintritt bleiben die Strahlen zunächst gerade; am gekrümmten Austritt laufen sie auseinander.

An einer Linse können zwei Brechungen auftreten: beim Eintritt aus Luft in Glas zum Lot hin, beim Austritt aus Glas in Luft vom Lot weg. Bei senkrechtem Auftreffen ändert sich die Richtung nicht. Die Rückverlängerung zum virtuellen Brennpunkt ist eine Hilfslinie, kein tatsächlich dort laufender Lichtstrahl.

Auf schmalen Bildschirmen lassen sich die Zeichnungen seitlich verschieben, damit die Beschriftung lesbar bleibt.

Brechungswinkel berechnen

Die Winkel werden immer zum Lot auf die Grenzfläche gemessen. Bei einer gekrümmten Linse ist das Lot an jeder Auftreffstelle anders ausgerichtet.

Grundformel · Snelliussches Brechungsgesetz

n₁ · sin(α) = n₂ · sin(β)
β = arcsin[(n₁ / n₂) · sin(α)]

arcsin ist die Umkehrfunktion von sin. Den Taschenrechner für diese Beispiele auf Grad / DEG stellen.

Hier liegen α und β

Grenzfläche links Luft und rechts Glas: Alpha liegt zwischen einfallendem Strahl und Lot in der Luft, Beta zwischen gebrochenem Strahl und Lot im Glas.
Beispiel Glas: α = 45° und β ≈ 27,84°.
α
Einfallswinkel im ersten Medium.
β
Brechungswinkel im zweiten Medium.
n₁
Brechungsindex vor der Grenzfläche.
n₂
Brechungsindex hinter der Grenzfläche.

Zwei Beispielrechnungen

Gleicher Einfallswinkel α = 45°, Luft mit n₁ ≈ 1,000 und rotes Licht mit λ ≈ 656,3 nm. Nur das zweite Medium ändert sich.

β = arcsin[(n₁ / n₂) · sin(α)]

1 · Luft → Glas

SCHOTT N-BK7, n₂ ≈ 1,51432

β = arcsin[(1 / 1,51432) · sin(45°)]

β ≈ 27,84°

2 · Luft → Wasser

Wasser bei 20 °C, n₂ ≈ 1,33151

β = arcsin[(1 / 1,33151) · sin(45°)]

β ≈ 32,08°

Wasser lenkt den Strahl weniger zum Lot hin ab.

Für jede Linsenfläche neu rechnen. Wird das Argument von arcsin größer als 1, gibt es keinen gebrochenen Strahl: Es tritt Totalreflexion auf. Das kann beim Übergang vom optisch dichteren in das optisch dünnere Medium geschehen.

Von der Wellenlänge zum Winkel

Der Brechungsindex hängt vom Material und von der Wellenlänge ab. Deshalb wird zuerst n(λ) bestimmt und anschließend in das Brechungsgesetz eingesetzt.

β(λ) = arcsin{[n₁(λ) / n₂(λ)] · sin(α)}

Gleicher Einfallswinkel: α = 45°

Berechnete Farbwerte für Luft mit n₁ = 1
Farbeλ in nmn Glasβ Glasn Wasserβ Wasser
Rot656,31,5143227,84°1,3315132,08°
Gelb589,31,5167327,79°1,3333532,03°
Grün546,11,5187227,75°1,3348331,99°

Glas: SCHOTT N-BK7. Wasser: IAPWS-Modell bei 20 °C und angenommener Dichte von 998,2 kg/m³. Luft wird hier mit n₁ = 1 angenähert.

Glas: Sellmeier-Gleichung

n²(λ) = 1 + Σᵢ₌₁³ Bᵢ λ² / (λ² − Cᵢ)

λ in µm einsetzen: 656,3 nm = 0,6563 µm. Nach dem Summieren die positive Quadratwurzel nehmen.

iBᵢCᵢ in µm²
11,039612120,006000699
20,2317923440,020017914
31,01046945103,560653

Was davon wird reflektiert?

Für eine einzelne unbeschichtete Luft-Glas-Grenzfläche, unpolarisiertes Licht und α = 45° gelten ungefähr:

FarbeReflektiert RDurchgelassen T
Rot5,22 %94,78 %
Gelb5,26 %94,74 %
Grün5,29 %94,71 %

Verlustfreies Modell: R + T = 100 %. Die zweite Glasfläche, Absorption und Beschichtungen sind hier nicht mitgerechnet.

Die Formel für den Brechungsindex ist materialspezifisch. Wasser verwendet das eigene IAPWS-Modell, keine Glaskoeffizienten. Die Frequenz bleibt beim Übergang gleich; im Material wird die Wellenlänge kürzer: λMaterial ≈ λ / n.

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Vollständiges Originalblatt anzeigenVollständiges Originalblatt mit vier Linsenformen, Dispersion, Winkelskizze, zwei Beispielberechnungen und Materialwerten

Quellen der Materialwerte